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Reiseberichte der Russischkurse nach Potsdam und Berlin

Die GKs Russisch der Jahrgangsstufe EF und Q1 haben gemeinsam eine Woche in Potsdam und Berlin verbracht. Nach der Bildergalerie finden Sie die Reiseberichte, die von den Schülerinnen und Schülern geschrieben wurden.

Поездка в Берлин!

Планирование и подготовка

Auf nach Berlin!

Unsere Planung und Vorbereitung

Als Einstieg haben wir uns im Unterricht die

Programmübersicht angeguckt, über Potsdam und Berlin. Diese erschien auf den ersten Blick sehr lang, aber in der Umsetzung hat sich alles davon gelohnt. Zudem hat man sich selbst schon Gedanken gemacht, was man in der freien Zeit  eigenständig unternehmen wollte. Dafür hat sich meine Gruppe ein Pinterestboard erstellt, um coole Plätze zu finden und die Vorfreude noch weiter zu steigern. Es wurde auch geschaut, was man eventuell einpacken muss, und natürlich haben wir auch das Fahrtengeld eingesammelt. Dabei war diese Reise vergleichsweise günstig und zudem nicht verpflichtend, da man selbst entscheiden konnte, ob man mitkommt oder nicht. Natürlich waren alle sofort entschlossen mitzukommen. Dies hatte auch einen guten Grund, weil die Fahrt sehr erlebnisreich war. Die Zimmeraufteilung wurde auch im Unterricht entschieden. Dies war die erste Klassenfahrt im Russischkurs, wodurch sich viele in unübliche Gruppen aufgeteilt haben. Das lag auch an den Dattelner Schülern und den Q1-Schülern, welche uns auf dieser Reise begleitet haben. Das war im Endeffekt eine sehr tolle Erfahrung, um sich auch mit anderen Schülern auszutauschen und als gemeinsamer Kurs heranzuwachsen. Daraufhin wurde sich auch der Wetterbericht angeschaut, um zu erfahren, dass sowohl Sonnenschutz als aus Regenkleidung mitgenommen werden musste, weil das Wetter oft geschwankt hat. Kurzfristig wurde zudem entschieden, welche Gepäckgröße erlaubt ist. Dadurch sind  wahrscheinlich viele in Panik verfallen, weil sie diese nicht einhalten konnten (z.B. ich). Letztendlich wurde aber noch bei mir und bei anderen ein geeigneter Kofferersatz gefunden. Essen auf der Zugfahrt durfte auch nicht fehlen, also wurde vor der Fahrt noch Proviant für den ersten Tag gekauft oder zubereitet.

Наши ожидания и предвкушение

Unsere Erwartungen und Vorfreude

Da viele Programmpunkte bereits im Voraus mit uns geteilt wurden, erwarteten wir abwechslungsreiche Unternehmungen sowie zahlreiche Besuche verschiedener Schlösser, wie das Schloss Cecilienhof, um die Schönheit und Historie Potsdams kennenzulernen.

Gleichzeitig freuten wir uns darauf, in unserer Freizeit selbstständig durch die Stadt zu spazieren und Sehenswürdigkeiten zu entdecken.

Von den Workshops und dem Besuch des Russischen Hauses der Wissenschaft und Kultur erwarteten wir, viel Neues über die Geschichte und Kultur Russlands zu erfahren und Einblicke in Themen zu erhalten, mit denen wir uns bisher noch nicht intensiv beschäftigt hatten. Auf diese Programmpunkte waren wir besonders gespannt. Wir freuten uns unheimlich darauf, viele Erinnerungen und unvergessliche Momente gemeinsam als Russischkurs zu sammeln!

Наше путешествие туда

Unsere Anreise

Der Montag – der Tag der Anreise – war sehr anstrengend. Treffpunkt war um 8 Uhr und schon ging es mit dem Zug los nach Potsdam. Leider sind die Sitzplatzreservierungen aufgehoben worden, weshalb wir uns beeilen mussten, um uns einen Sitzplatz zu ergattern. Nachdem wir endlich einen Platz gefunden hatten, hieß es nur noch warten. Nach der Ankunft um ca. 15 Uhr, hatten wir bis 16:30 Uhr Zeit auf unsere Zimmer zu gehen, unsere Sachen auszupacken und uns kurz zu entspannen. Danach sollten wir uns um16:30 Uhr vor dem Hotel treffen. Wir haben die Aufgabe bekommen, in Gruppen vier verschiedene Orte zu besuchen und ein Selfie von uns und dem Ort zu machen. Wer dies als erstes geschafft hat, hat von Frau Bartmann und Frau Fankhänel ein Eis ausgegeben bekommen. Dabei waren die Orte: Vor dem Museum Jan-Bouman-Haus im holländischen Viertel, vor der Pyramide im Neuen Garten, im Schloss Cecilienhof oder im Hecken-Labyrinth am Cecilienhof, mit der Havel im Hintergrund. Diese Orte waren wunderschön, und am Wasser lang zu laufen, war atemberaubend schön.

Als wir die Aufgabe vollbracht hatten, hatten wir bis 20 Uhr Zeit, um die Stadt frei zu besichtigen. Die Zeit haben wir natürlich bis zur letzten Sekunde ausgenutzt. Da der Tag so anstrengend war, sind wir bei Extrablatt essen gegangen. Wir haben Pizza, Pizzaschnecken usw. bestellt; das haben wir in dem Moment einfach gebraucht. Zurück im Hotel waren wir alle ziemlich erschöpft. Trotzdem haben wir den Tag spielerisch ausklingen lassen, indem wir ein paar Gesellschaftsspiele gespielt haben.

Irem Arslan, Hale Aydemir, Jamie Cernauskis, Nina Wöstmann

Второй день: От Александровки до Сансуси

Zweiter Tag: Von Alexandrowka nach Sanssouci

Der zweite Tag begann mit einem leckeren Frühstück in unserem Hotel. Die Auswahl war groß genug, sodass für jeden etwas dabei war.

Gut gestärkt machten wir uns auf den Weg zu unserem ersten Programmpunkt – Alexandrowka, der Russischen Kolonie in Potsdam. Nach einer kurzen Fahrt mit der Straßenbahn kamen wir an unserem Ziel an. Sofort fielen uns die eindrucksvollen, malerischen Holzhäuser auf, die in den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts auf Anordnung des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. erbaut wurden. Die Kolonie entstand zum Gedenken an den 1825 verstorbenen russischen Zaren Alexander I. als Zeichen der Freundschaft zwischen Preußen und Russland nach den gemeinsamen Befreiungskriegen gegen Napoleon. Sie diente den letzten russischen Soldaten eines ehemaligen Sängerchors, die dauerhaft in Potsdam bleiben mussten.

Am Eingang wurden wir nun von unserem Guide Robert empfangen, der uns mit viel Wissen und

Begeisterung durch die Russische Kolonie führte. Er erklärte uns die besondere Bauweise und Bedeutung der kunstvoll verzierten Holzhäuser, die im traditionellen Stil russischer Volksarchitektur errichtet wurden und bis heute erhalten sind.

Außerdem erfuhren wir, dass die Häuser von großen Gärten umgeben sind, in denen Obst und Gemüse sowie 367 verschiedene Apfelsorten angebaut wurden, damit sich die Bewohner selbst versorgen konnten. Natürlich durfte auch ein Gang hinauf zur Alexander-Newski-Gedächtniskirche, die oben auf dem Kapellenberg thront, nicht fehlen. Gleich bei Eintritt empfing uns die prachtvolle, goldverzierte Ikonostase, eine Wand mit Heiligenbildern, welche die sakrale Bedeutung des Ortes würdig zur Geltung bringt. Auf diese Weise wurde auch für die geistliche Betreuung der Kolonisten gesorgt. Robert erzählte außerdem interessante Geschichten über das Leben der russischen Familien in Alexandrowka und erklärte, warum die Kolonie heute zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Besonders beeindruckend war die friedliche Atmosphäre mit den liebevoll gepflegten Gärten und den historischen Holzhäusern.

Nach der Führung hatten wir eine Mittagspause im Blockhaus Nr. 1 der Kolonie, einem kleinen russischen Restaurant und Teehaus. Dort konnten wir verschiedene typisch russische Spezialitäten probieren. Viele entschieden sich für Pelmeni, kleine gefüllte Teigtaschen,  z.B. mit Fleisch, oder für andere leckere Speisen.

Das Essen war sehr lecker und bot uns die Möglichkeit, einen Teil der russischen Kultur auch kulinarisch kennenzulernen.

Nach der Mittagspause machten wir uns zu Fuß auf den Weg zum Schloss Sanssouci. Auf unserem Weg fielen uns direkt das prunkvolle Schloss ins Auge sowie eine große Mühle und ein prachtvoller Springbrunnen. Zunächst besichtigten wir die Kammern des Schlosses und mithilfe eines Audioguides erfuhren wir viel über die Geschichte des Schlosses und das Leben von Friedrich dem Großen, der Sanssouci zwischen 1745 und 1747 als Sommerschloss errichten ließ. Die prunkvoll eingerichteten Räume beeindruckten uns besonders durch ihre kunstvollen Decken, aufwendigen Verzierungen und wertvollen Möbel.

Im Anschluss besichtigten wir das Hauptschloss Sanssouci mit einer weiteren

Audioguideführung. Dabei konnten wir die prachtvollen Säle, Empfangsräume und privaten Gemächer des Königs bestaunen.

Am Ende des Tages waren wir zwar müde, aber auch um viele interessante Eindrücke reicher. Die Mischung aus russischer Geschichte, kulturellen Erlebnissen und Besichtigung der

beeindruckenden Schlossanlage machte diesen Tag besonders abwechslungsreich. Wir konnten unser Wissen über die Geschichte der deutsch-russischen Beziehungen erweitern, die russische Kultur besser kennenlernen und gleichzeitig eines der schönsten Schlösser Europas besichtigen. Insgesamt war es ein sehr gelungener und lehrreicher Tag unserer russischen Kursfahrt.

Sophia Gerlach, Sophia Gremm, Nova Müller, Mia Roth

Среда – Российски дом науки и культуры & Берлин самостоятельно

Mittwoch – Das „Rushaus“ & Berlin auf eigene Faust

Am Mittwoch sind wir morgens gegen 9:00 Uhr von unserem Hotel in Potsdam nach Berlin gefahren. Unser Ziel war das Russische Haus der Wissenschaft und Kultur in der

Friedrichstraße. Nach einem herzlichen Empfang durch Frau Galkina bekamen wir eine Führung durch das Gebäude. Dabei erfuhren wir, dass das Haus als kulturelles Zentrum dient und den Austausch zwischen Deutschland und Russland fördern soll. Es gibt dort regelmäßig Ausstellungen, Filmvorführungen und Veranstaltungen zu Geschichte, Kunst, Gesellschaft und Wissenschaft.

Anschließend nahmen wir an der Führung „Wenig bekannte Seiten des Widerstands“ teil. In dieser Ausstellung ging es um Russen, die sich im Dritten Reich gegen das NS-Regime gestellt hatten. Besonders betont wurde, dass Widerstand nicht nur durch bekannte Gruppen, sondern auch durch Einzelpersonen stattfand, zum Beispiel durch mutige Handlungen im Alltag oder durch heimliche Hilfen für Verfolgte. Geleitet durch einen Fragebogen, erhielten wir einen direkteren Zugang zu den Biografien dieser mutigen Menschen.[1] Die persönlichen Geschichten und Schicksale machten deutlich, wie gefährlich und zugleich wichtig dieser Widerstand war. Viele Beispiele waren sehr bewegend und regten uns zum Nachdenken an.

Danach schauten wir einen Film über Peter den Großen, der sich vor allem mit seiner Reise durch Deutschland beschäftigte. Der Film zeigte, wie Peter der Große während seines Aufenthalts viele neue Eindrücke sammelte, insbesondere in den Bereichen Technik, Handwerk, Militär und Verwaltung. Er interessierte sich sehr für den Schiffsbau, das Bildungswesen und die

Organisation des Staates. Viele dieser Ideen und Kenntnisse übernahm er später für Russland, um das Land zu modernisieren und an Europa anzunähern. Dadurch wurde deutlich, welchen Einfluss auch Deutschland auf seine Reformen hatte und wie wichtig diese Reise für die Entwicklung Russlands war.

Gegen 13:00 Uhr aßen wir im Café „Russischer Hof“, das sich direkt im Gebäude befindet. Vor der ebenso gemütlichen wie imposanten Kulisse dutzender traditioneller Samoware lud ein appetitliches Buffet zu Tisch. Dort gab es typische russische Gerichte wie Suppen, gefüllte Teigtaschen und süße Speisen. Für einige waren diese Gerichte vertraut, für andere neu. Das gemeinsame Essen war eine gute Gelegenheit, die kulinarischen Eindrücke von der russischen Esskultur, die wir am Vortag gesammelt hatten, zu verfeinern. Und so vernahm man im „Russischen Hof“ unser gemeinsames „Приятного аппетита!», „Guten Appetit!“

Danach hatten wir Zeit, die Ausstellungen im „Rushaus“ selbstständig zu erkunden. In der Ausstellung „Puschkin und Deutschland“ ging es um den russischen Dichter Alexander Puschkin und die Verbindungen in seinen Werken zur deutschen Literatur, Philosophie und Malerei. Die Ausstellung „Völker Russlands“ zeigte die kulturelle Vielfalt des Landes. Anhand von Informationen und Fotos, die  typische Traditionen, Feste oder besondere Momente aus dem Leben der Menschen festhielten, wurde die tiefe Verbundenheit dieser Menschen mit ihren Wurzeln deutlich. Vor allem wurde uns anschaulich vor Augen geführt, dass Russland aus vielen unterschiedlichen Volksgruppen mit eigenen Traditionen und Sprachen besteht; dazu zählen z.B. Jakuten, Dagestaner, Udmurten, Ewenken, Nenzen und viele mehr, von denen die meisten von uns nie zuvor gehört hatten.

Die Ausstellung „Public Art“ beschäftigte sich mit aktueller moderner Kunst im öffentlichen Raum und zeigte, wie Kunst gesellschaftliche Themen sichtbar machen kann. Die Ausstellung, konzipiert von Künstlern, Bildhauern und Architekten, zeigte uns eindrucksvoll, wie zeitgenössische Künstler ihre urbane Umgebung in Moskau und anderen Städten kreativ und originell gestalten. Ziel der Ausstellung war es zu zeigen, wie Kunst im öffentlichen Raum  zu einem Instrument urbaner Identitätsbildung geworden ist.

Voller verschiedenster Eindrücke verließen wir das Russische Haus. Ab 15:30 Uhr durften wir dann endlich Berlin bis 20:00 Uhr auf eigene Faust erkunden. Das war für viele das Highlight des Tages. Wir konnten durch die Stadt laufen, einkaufen gehen, etwas essen oder bekannte Orte anschauen. Es war spannend, Berlin selbstständig zu entdecken und die Atmosphäre der Stadt zu erleben. Просто класс! Einfach klasse!

Insgesamt war der Tag eine gelungene Mischung aus Geschichte, Kultur und Freizeit. Besonders die Ausstellungen und die Führung haben uns neue Perspektiven eröffnet und gezeigt, wie vielfältig Geschichte und Kultur sein können. Gleichzeitig war es schön, Berlin danach frei zu erkunden. So konnten wir nicht nur viel lernen, sondern auch gemeinsame Erinnerungen sammeln.

Emilia Jungmann, Sara Mujkanovic, Leonie Reifschneider, Sophie Rusche, Anastasia Stickel


[1] Insbesondere befassten wir uns mit den tragischen Schicksalen von Sergej Tschachotin, Liane Berkowitz, Nikolai und Elena Timofejew-Ressowski, Dmitri Obolenski und Alexander Neroslaw.

Четверг: В Музее Берлин Карлсхорст. Личные впечатления

Donnerstag: Im Museum Berlin Karlshorst. Persönliche Eindrücke

Am Morgen des 2. Juli erwartete unsere Reisegruppe ein ganz besonderer Tag, ein Tag, von dem auch ich als Organisatorin dieser Reise beim unbeschwerten Frühstück mit meiner Kollegin Frau Bartmann noch nicht gewahrte, wie sehr uns die Erfahrung dieses Tages einnehmen würde.

Unser Weg führte uns erneut nach Berlin, diesmal in den Ostteil der Stadt – nach Berlin-Karlshorst, wo ein Besuch des gleichnamigen Museums anstand. Nach Klärung der Eintrittsmodalitäten und dem Eintreffen unserer Guides führte uns unsere erste Station gleich an einen der denkwürdigsten und folgenreichsten Orte Deutschlands, den Kapitulationssaal, in dem in der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1945 die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht ratifiziert und der Zweite Weltkrieg beendet wurde.

Diesen historischen Ort, an dem die alliierten Vertreter zusammenkamen und die Oberkommandierenden der deutschen Wehrmacht die Kapitulation und das Kriegsende per Unterschrift besiegelten, in Geschichtsbüchern benannt zu wissen, ist das Eine, an diesem denkwürdigen Ort der Beendigung des größten, barbarischsten Krieges, den die Welt bisher gesehen hat, persönlich zu stehen, innezuhalten, diesen würdigen Augenblick des Friedensschlusses gedanklich und emotional aufzunehmen, ist etwas ganz Anderes: Und so entstand in mir der Eindruck, zeitversetzt um 81 Jahre beinahe so etwas wie „Zeuge“ des vielleicht bedeutsamsten historischen Moments für das künftige Schicksal der Menschen Europas, der Sowjetunion und der Welt zu sein. Dieser Eindruck verfestigte sich in mir zu einem Moment tiefer Ehrfurcht, Erinnerung und zugleich innerer Zuversicht: Wenn Frieden damals möglich war, wird er auch in der Gegenwart einen Weg finden können.

Der weitere Museumsgang führte unsere geteilte Gruppe in zwei verschiedene Workshops: Zu den „Biographien von Rotarmist/-innen und vom Krieg betroffenen Zivilist/-innen“  und in den Workshop „Post für dich! Zur Geschichte der sowjetischen Kriegsgefangenen“.

Nach eingehender Beschäftigung mit einigen tragischen Schicksalen dieser von Leid und Elend des Krieges betroffenen Menschen blieben vor allem zwei Erkenntnisse: Erstens, die schier ungeheuerliche Dimension des deutschen Vernichtungskrieges gegen die Sowjetunion, die hier in den Schicksalen der 5,7 Millionen sowjetischen Kriegsgefangenen ein Gesicht bekam, von denen 60%, d.h. 3 Millionen in deutscher Gefangenschaft starben.  Unter den westalliierten Kriegsgefangenen lag die Todesrate bei 3,6 %. Diese Gegenüberstellung zeigte uns deutlich: Die Ermordung oder Vernachlässigung der sowjetischen Kriegsgefangenen wurde gezielt eingesetzt und gehört bis heute zu den größten deutschen Kriegsverbrechen.

Zweitens: Die bittere Erkenntnis, dass dieser Seite des Vernichtungskrieges die Würde der Anerkennung und Entschädigung viele Jahrzehnte versagt blieb:  Erst im Mai 2015, 70 Jahre nach Kriegsende, sollte die Anerkennung dieses Unrechts durch Deutschland erfolgen und jeder überlebende sowjetische Kriegsgefangene eine Entschädigung von 2.500 EUR erhalten. Für die allermeisten dieser Menschen kam die Anerkennung zu spät. Und nicht wenige warten auf diese Wiedergutmachungsgeste bis heute vergebens.

Die berührenden Schicksale, von denen wir in persönlichen Briefen, die in Kriegsgefangenschaft geschrieben wurden und bis heute erhalten sind, erfuhren, können hier nicht nachgezeichnet werden. Die große Traurigkeit, die die furchtbaren barbarischen Verbrechen der deutschen Soldaten und Zivilbevölkerung in der NS-Zeit in mir hinterließ, nehme ich an, beherzt und dankbar, denn jemand muss dieser Opfer gedenken, um ihnen die menschliche Würde wenigstens posthum zurückzugeben.

Ich bin überzeugt, dass die jungen Menschen unserer Schülergruppe nach unserem Besuch in Karlshorst dieses Gefühl der tiefen Trauer, des Mitleidens mit all diesen Opfern des Krieges und der Kriegsverbrechen teilen, bewahren und weitergeben, damit Krieg keine Zustimmung findet.

So dachte schon der Namensgeber unserer Schule, WILLY BRANDT, der 1981 die bedeutsame Äußerung tätigte:

 „Der Frieden ist nicht alles, aber alles ist ohne den Frieden nichts.“

Bevor ich in diesem Sinne das Schlussplädoyer für Frieden an einige namhafte historische Persönlichkeiten weitergebe, möchte ich mich bei allen teilnehmenden Schüler/-innen bedanken, die die Herausforderung der Vergangenheitsbetrachtung offen angenommen, mit Bedacht und ehrlicher Anteilnahme gefüllt haben.

Birgit Fankhänel

ERASMUS VON ROTTERDAM (1517)

Der süßeste Friede ist besser als der gerechteste Krieg.“

            „Iniquissimam pacem iustissimo bello antefero.“

LEW TOLSTOI (1853)

„Krieg ist eine so ungerechte und böse Sache, dass diejenigen, die Krieg führen, versuchen, die Stimme des Gewissens in sich zu ersticken.“

„Война такое несправедливое и дурное дело, что те, которые воюют, стараются заглушить в себе голос совести.“

NIKOLAI LESKOW (1893)

 „Der Krieg ist ein Verbrechen gegen die Menschheit und die Vernunft.“

„Война есть преступление против человечества и разума.“

ALBERT EINSTEIN (1933)

„Krieg kann man nicht humanisieren, man kann ihn nur abschaffen.“

            „War cannot be humanized. It can only be abolished.“

Nachweise der Zitate

BRANDT, WILLY (2002): „Im Zweifel für die Freiheit“, Berliner Ausgabe,  Band 5: Die Partei der Freiheit. Willy Brandt und die SPD 1972–1992. Im Auftrag der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung, hrsg. v. Helga Grebing, Gregor Schöllgen und Heinrich August Winkler, bearb. v. Karsten Rudolph, Verlag: J.H.W. Dietz, Bonn 2002, S. 327.

EINSTEIN, ALBERT (1933): Interview-Aussage, Protokoll einer Genfer Pressekonferenz im Mai 1931, dokumentiert in der offiziellen Biografie und Redensammlung des Pazifisten-Komitees. „The Fight Against War“, hrsg. v. Alfred Lief. John Day Pamphlets Nr. 20, Verlag John Day Co., New York, S. 35.

LESKOW, NIKOLAI (1893): Brief an den Publizisten Wladimir Tschertkow, datiert auf den 14. März 1893. In: N. S. Leskow, Gesammelte Werke in 11 Bänden, Band 11 (Briefe). Staatsverlag für schöne Literatur, Moskau 1958, S. 524.

ROTTERDAM, ERASMUS VON (1517): Querela pacis / Die Klage des Friedens.  Eine philosophische Abhandlung gegen den europäischen Fürstenkrieg. Hrsg. u. übers. v. Kurt Steinmann, Philipp Reclam jun. Verlag unter der Universal-Bibliothek Nr. 19598, Stuttgart 2019, S. 72-73.

TOLSTOI, LEW (1853): Tagebuch-Eintrag vom 6. Januar 1853 (während seines Militärdienstes im Kaukasus) in: L. N. Tolstoi, Gesammelte Werke in 90 Bänden (Юбилейное издание), Band 46 (Tagebücher 1847–1854). Staatsverlag für schöne Literatur, Moskau 1934, S. 153.

Последний день: наш отъезд и подведение итогов

Der letzte Tag: unsere Abreise und Fazit

Nach einer ereignisreichen Reise kam jedoch auch diese zu einem Ende. Und mit vielen schönen Erinnerungen im Gepäck startete unser Tag bereits um 5 Uhr morgens.

Der Tag begann damit, unsere Zimmer aufzuräumen. Um 6 Uhr war dann auch schon die Zimmerkontrolle, und kurz darauf unser letztes Frühstück im Hotel. Es war ein durchaus seltsames Gefühl, unser Hotelzimmer auf ein Neues zu verlassen, jedoch diesmal nicht zurückzukehren.

Nun war es soweit: unser Gepäck neben uns rollend, blickten wir zum letzten Mal zur Nikolai Kirche, welche man vom Bahnhof aus gut erkennen konnte, und ließen diese wunderschöne Stadt mit ihrer atemberaubenden, preußischen Architektur hinter uns.

Im Zug erwartete uns plötzlich ein großes Chaos.

Unser Waggon – war mal wieder abgehängt.

Und damit auch unsere Plätze. So machten wir uns auf die Suche nach freien Plätzen für unsere 4-stündige Fahrt.

Wir marschierten durch die Waggons von hinten nach ganz vorne, jedoch ohne Erfolg.

So gelangten wir in den ersten Waggon, der ebenfalls die gleiche Szene spiegelte.

Als Notlösung setzten wir uns mit unseren Freunden auf den Boden des Zugs und verbrachten die Zeit in unserer eigenen kleinen Ecke.

Trotz dieser kleinen und adrenalinreichen Komplikationen hatten wir einen unvergessliche eine unvergessliche Reise erlebt, welche uns stark geprägt und begeistert hat und welche nicht zuletzt auch sehr lehrreich war.